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Ackerwildkrautschutz

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Ackerwildkrautschutz

Ursprung der Ackerwildkräuter

Ackerwildkräuter sind weltweit verbreitet. Ein großer Teil der bei uns heimischen Ackerwildkräuter hat seinen Ursprung im Vorderen Orient, von wo er mit dem Getreidesaatgut und anderen Handelsgütern nach Europa verschleppt wurde. Das umherziehende Vieh, das in der Nachweide über die Äcker getrieben wurde, um verbliebene Pflanzen zu fressen und die Äcker mit seinem Kot zu düngen, trug zur Verbreitung von Samen und zum so entstandenen Artenreichtum bei.

 

Lebensformen

Alle Ackerwildkräuter sind auf eine ackerbauliche Nutzung der Flächen angewiesen und an regelmäßige Störungen durch Bodenbearbeitungen wie Pflügen, Grubbern und Hacken angepasst. Besonders einjährige Pflanzen sind für die Keimung auf eine Bodenbearbeitung angewiesen und würden ohne diese von mehrjährigen Arten verdrängt.

Einjährige Pflanzen

Drei Viertel der Arten sind einjährige Pflanzen. Sie vermehren sich ausschließlich über Samen. Darum produzieren sie meist große Mengen. Im Folgejahr keimen sie dann aus dem Samenvorrat des Bodens.

Typische Arten sind:

  • Klatschmohn
  • Acker-Gauchheil
  • Purpurrote Taubnessel
Mehrjährige Pflanzen

Meist Zwiebel- oder Rhizompflanzen. Nach der Blüte vertrocknen die oberirdischen Pflanzen und nur eine Knolle, Zwiebel bzw. Rhizom verbleiben in der Erde.
In der folgenden Vegetationsperiode kann daraus wieder eine Pflanze wachsen.

Typische Arten sind:

  • Wilde Tulpe
  • Quecke
  • Acker-Kratzdistel
Die Spezialisten

Diese haben eine spezielle Strategie entwickelt, die „Tarnungsstrategie“. Damit haben sich an den Lebenszyklus der Kulturpflanzen angepasst und gleiche Samenreife wie das angebaute Getreide entwickelt. So werden die Ackerwildkräuter zusammen mit dem Getreide geerntet und, in früherer ackerbaulicher Nutzung, auch wieder mit dem Getreide aufs Feld ausgebracht. Durch die mittlerweile effektive Saatgutreinigung sind diese Arten sehr selten geworden bzw. teilweise schon ausgestorben.

Typische Arten sind:

  • Roggentrespe
  • Kornrade

Rückgang der Ackerwildkräuter

Ein dramatischer Rückgang der Ackerwildkräuter ist erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts zu beobachten. Selbst mit der intensiveren Feldwirtschaft und dem Einsatz von Mineraldünger seit 1810 gab es noch differenzierte Ackerwildkrautgesellschaften aus meist einjährigen Pflanzen. Ursachen für den verstärkten Rückgang sind:

  • der Einsatz chemischer Unkrautbekämpfungsmittel,
  • die Saatgutreinigung,
  • ein dichterer Saatabstand,
  • stärkere Düngung und
  • verengte Fruchtfolge und damit kürzere oder weggefallene Brach- und Stoppelphasen.

Auf Grund dessen, verschwanden die Ackerwildkräuter auf ertragsschwachen sauren Sandböden, Kalkscherbenäckern und (wechsel-)feuchten Standorten zum Teil vollständig. Damit gehören sie zur Pflanzengruppe mit dem größten Anteil an gefährdeten Arten in Deutschland. Mindestens ein Viertel sind bundesweit gefährdet oder bereits ausgestorben; über die Hälfte sind in mindestens einem Bundesland gefährdet.

Besonders betroffen vom Rückgang und in ihrem Bestand gefährdet oder verschollen sind Arten, die sich an jahrhundertealte Anbauweisen angepasst haben und ihre Keimfähigkeit nach kurzer Zeit verlieren (z.B. Rundblättrige Hasenohr, Kornrade). Aber auch Zwiebelpflanzen wie die Wilde Tulpe sind durch die besseren und tieferen Bodenbearbeitungsmöglichkeiten gefährdet. Die Düngung und der Einsatz von Herbiziden sowie das Auflassen ertragsschwacher Flächen tragen ebenfalls zum Rückgang vieler Arten bei.

In der Landwirtschaft werden die „Acker-Unkräuter“ bekämpft, weil sie mit den Kulturpflanzen um Nährstoffe, Licht und Wasser konkurrieren. Dabei kann die Landwirtschaft die meisten Ackerwildkräuter durchaus tolerieren, da es zumeist konkurrenzschwache Arten sind, die aus ökonomischer Sicht keinen bis kaum Schaden verursachen und den Ernteertrag nicht schmälern. Nur etwa zwei Dutzend Arten können als „Problem-Unkräuter“ angesehen werden, u.a. Acker-Kratzdistel oder Kletten-Labkraut. Diese haben sich über die Jahre an die Methoden der modernen, technisierten Landwirtschaft angepasst und sind deshalb zu sogenannten „Problemunkräutern“ geworden, weshalb chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel vermehrt eingesetzt werden.

Schutz der Ackerwildkräuter

Um besonders wertvolle Ackerwildkrautflächen zu erkennen und schützen zu können, hat der Landschaftspflegeverband 2018 im Rahmen eines Glückspirale-Projekts eine Ackerwildkrautkartierung im Projektgebiet in Auftrag gegeben. 2020 gab die untere Naturschutzbehörde zur Ergänzung der ersten eine weitere Kartierung in Auftrag. Beide Untersuchungen zeigten, dass es nicht mehr viele bedeutende Äcker mit entsprechend typischen Ackerwildkräutern gibt, was den Handlungsbedarf verdeutlicht. Allerdings ergaben die Kartierungen auch, dass die Äcker, auf denen noch gute Bestände von Ackerwildkräutern zu finden waren, Arten von bundesweiter Bedeutung beherbergten. Eine Vielzahl vom Aussterben bedrohter Arten, wie die Sichelblättrige Wolfsmilch oder die Kornrade, aber auch Gelber Günsel oder das Rundblättrige Hasenohr, konnten noch im Landkreis gefunden werden.

Zur Erhaltung und Förderung seltener Ackerwildkräuter hat die Untere Naturschutzbehörde begonnen, unmittelbar an Trockenstandorte angrenzende Äcker über Vertragsnaturschutz (VNP) zu extensivieren. Diese Maßnahmen werden im Rahmen des Projekts weiter intensiviert. Landnutzer werden in Zusammenarbeit mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF)-Karlstadt über relevante Förderprogramme (VNP, KULAP) zur Etablierung möglichst nachhaltiger Nutzungsformen beraten. Für ihren Einsatz zum Erhalt der Artenvielfalt werden die Landwirte innerhalb des VNP belohnt, z.B. für:

  • Die Extensivierung der Ackernutzung, um den konkurrenzschwachen Kräutern eine Chance zu bieten.
  • Eine Brache mit Selbstbegrünung, die einmal jährlich mit einer Egge oder einem Pflug bearbeitet wird, so können vorhandene Samen im Boden wieder keimen.
  • Ackerrandstreifen von 3-24 Metern bieten den Ackerwildkräutern ebenfalls Lebensraum, da diese nicht mit den sonst verwendeten chemischen Unkrautbekämpfungsmitteln bearbeitet werden.

Besonders der ökologische Landbau bietet sehr gute Bedingungen für die Ackerwildkräuter durch:

  • Die Vermeidung von Herbiziden und synthetischem Stickstoffdünger,
  • eine vielfältige Fruchtfolge und
  • den Anbau von Wintergetreide, wie z.B. Dinkel, Roggen, Triticale, Einkorn oder Emmer

können auf ökologisch bewirtschafteten Feldern wesentlich mehr Arten gefunden werden als auf konventionell bewirtschafteten Feldern.

Das Anpflanzen von Zwischenfrüchten und Blühmischungen/Blühstreifen bietet zwar Insekten und Wildtieren Deckung und Nahrung, hat allerdings einen gegenteiligen Effekt auf Ackerwildkräuter. In den Blühmischungen sind oftmals konkurrenzstarke Pflanzen vertreten, die konkurrenzschwache Ackerwildkräuter unterdrücken. Darum ist es wichtig, dass Naturschutz, Behörden und Landwirte die Naturschutzziele lokal abwägen und Maßnahmen standortspezifisch umsetzten.

Der Schutz der Ackerwildkräuter ist essentiell für die Funktionsfähigkeit unserer Agrarökosysteme. Sie liefern Pollen, Nektar und Samen für Wild-Insekten und Vögel. Ein reines Getreidefeld stellt für die meisten Insekten eine „Nektarwüste“ dar und bietet somit keinerlei Lebensraum. Zudem reduzieren sie die Bodenerosionen, fixieren Luftstickstoff und fördern die Bodenorganismen die für die Mineralisierung zuständig sind. Je vielfältiger eine Ackerwildkrautflur ist, desto besser ist es für das Ökosystem Acker, da natürliche Bestäuber und Schädlingsbekämpfer Lebensraum finden. Darüber hinaus entsteht eine natürliche Konkurrenz zwischen den Ackerwildkräutern, wodurch „Problemunkräuter“ weniger dominant werden können.

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